Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

"Sprich deinen grössten Wunsch laut aus und er wird in Erfüllung gehen". Mit diesem Zettel aus einem Glückskeks beginnt eigentlich Oskars Geschichte. Der mittelgrosse, mittelschnelle und mittelschlaue Junge nimmt plötzlich die Rolle in einem Weihnachtskonzert seiner Schule an. Plötzlich beginnt er auf der Strasse zu singen und findet einen Freund, der zu einer Freundin wird. Die Geschichte von Kerstin Lundberg Hahn, übrigens von Gesa Kunter aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt, ist herrlich rasant. Die widersprüchlichen Gefühle Oskars werden nie ins Lächerliche gezogen. Sie bestimmen die Geschehnisse. Die Autorin stellt sich derweil an den Rand und beschreibt, wie sich die Taten ihres Protagonisten auswirken. Der Alltag wird durch die liebevolle Detailschilderung bedeutsam. Mir als Leserin wird wohl ums Herz, weil alles möglich scheint, wenn man sich traut. "Oskar und die Sache mit dem Glück" ist ein Wohlfühlbuch für jedes Alter, ein Lesevergnügen.


 

Ist es gescheit, wenn jemand sich über jede Lebenskleinigkeit freut, selbst, wenn es der Schirm ist, der im Sturm kaputt geht? Ist es gescheit, ein Ziel im Leben zu finden, und sich im entscheidenden Augenblick ablenken zu lassen? Von einer Ente? Das ist Herr Blume passiert. Ihn hat es nicht gestört - mich schon. Beim ersten Lesen. Ich wollte sehen, wie sich der Held entwickelt. Wie er als Sieger des Schlittschuh-Rennens sein Radio gewinnt. Stattdessen liess er sich von einem Vogel zum Pirouettendrehen auf dem Eis inspirieren. Beim zweiten Lesen fand ich es plötzlich schön, dass ihm die Kritik seiner Mitmenschen nichts ausmachte. Schön, dass er so im Moment lebt, dass ihm die Ente überhaupt aufgefallen ist. Und schön, dass er andere zum Schlittschuhfahren angeregt hat. Ich glaube das Buch, geschrieben von Bruno Hächler und gestaltet von Ingrid Sissung, ist eine Aufforderung zum Gespräch. Was bedeutet für mich Glück? Suche oder finde ich es? Zusammen mit Sohn oder Tochter schöner als ein Tanz auf dem Eis...


 

Dieses Buch ist mir als allererstes wegen der Illustrationen von Barbara Yelin in die Hand genommen. Denn "Gigaguhl" gefällt mir, selbst als Name für einen Riesen nicht. Es ist zwar lautmalerisch - erinnert mich aber allzu sehr an Babysprache. Der Nachname, der sich auf der ersten Seite findet, ist umso schöner: Gargantua. Und die Idee, dass unser Protagonist Tiere so sehr liebt, dass die Vögel in seinen Ohren nisten während im Haar ein Einhorn herumspaziert, ist einfach schön. Langsam gewinne ich den Riesen lieb. Darum bin ich gar kein Freund der Stadtentwicklung auf seinem schlafenden Rücken. Zwei Kinder der kleinen Stadt stehen für die Verbindung von Fantasie und Wirklichkeit. Sie verhindern die Katastrophe eines Riesenbebens. Gigaguhl wird ihr Freund. Eine schöne Geschichte, nur dass mir die Reime von Alex Rühle nicht leicht über die Lippen gehen. Die Illustration gefällt mir durchgehend besser. Ein Buch, dass ich als Lese-Experiment empfehlen würde. Denn vielleicht finden kleine Zuhörer und Zuhörerinnen einen eigenen Zugang. Ausprobieren...