Nein, ein Wort reicht nicht. Auch ein Satz ist zu wenig...

Vor kurzem hat mich jemand gefragt, ob ich viel lese. Die Antwort ohne gedankliches Luftholen hiesse: "Ja!" Aber stimmt das in aller Eindeutigkeit? Ich bekommen viele Mails und WhatsApp-Nachrichten, wie jeder andere Mensch. Ich überfliege Meldungen auf Facebook, Teaser auf den Websiten von Boulevard- und ernsteren Medien. Selbstverständlich lese ich auch ganze Texte - meist Zeitungsartikel, die zur Verarbeitung auf meinem Schreibtisch gelandet sind. Aber ist das Lesen? Ich stehe mittlerweile vor meinem Bücherregal und widerstehe dem Drang nach einem Exemplar mit Kurzgeschichten zu greifen. Stattdessen nehmen ich "Das Tagebuch der Jane Somers" von Doris Lessing heraus." Die Protagonistin ist Redakteurin, sie bewegt sich, wie ich, im Spannungsfeld von langen und kurzen Geschichten. Ich stelle den Wecker auf dem Handy. Eine halbe Stunde wahrhaftiges Lesen - fühlt sich gut an.

PS: Morgen ist Schweizer Vorlesetag. Die Gelegenheit, sich Zeit zu nehmen und einem lieben Menschen eine Geschichte vorzulesen. Nur ein paar Minuten reichen schon. Versucht es!

PPS: Von meinem eigenen Experiment wildfremden Menschen vorzulesen, werde ich Ende Woche berichten