Es ist Mittwochmorgen kurz vor 8 Uhr in Beinwil am See. Ich sitze auf einer der Bänke wie schon hunderte Male an anderen Tagen. Ich schaue auf die Uhr, greife in meine Tasche, hole ein Buch heraus. Doch heute lese ich nicht für mich allein. Ich erhebe die Stimme und lese vor - eine Kolumne von Milena Moser. Ich konzentriere mich auf den Text bis die Nervosität ein wenig nachlässt. Heute ist Schweizer Vorlesetag. Eine Frau setzt sich zu mir auf die Bank. Wir lächeln uns kurz zu, wechseln kein Wort, denn schliesslich will auch die nächste Kolumne vorgetragen werden. Ein Mann ist hinter der Säule stehengeblieben und hört ebenfalls zu. Ein paar Jugendliche haben sich auf den Treppenstufen niedergelassen. Sie tragen keine Kopfhörer, haben das Handy vor sich, doch die Hände bleiben still. Nach einer halben Stunde klappe ich das Buch zu, ohne explizite Reaktionen auf mein Tun geernetet zu haben. Trotzdem hat es Spass gemacht, Sprache in die Welt zu setzen.

Soweit die Momentaufnahme an einer meiner vier Vorlese-Stationen. Ein Erlebnis, das viele Fragen hinterlassen hat. Einer davon werde ich heute Abend nachgehen. Ort? Literaturschiff auf dem Hallwilersee - bleibt neugierig.