Manchmal geht das Kreative im Alltagsgezappel unter. Aber den Wochenstart feiere ich heute mit einer Schreibübung. Zehn Minuten, ohne den Stift abzusetzen, über eine Kindheitserinnerung inn Farbe.
Ich weiss nicht mehr so genau, ob ich eigentlich gerne gemalt habe als Kind. Aber wenn ich die alten Fotos betrachte, sehe ich mich oft ernsthaft dreinschauend mit Pinseln hantieren. Dunkel erinnere ich mich an Fingerfarben - an tapsige Finger (Zeigefinger) in leuchtendem Gelb, Daumen in Blau und kleinem Finger in Rot. Aber mein Temperament ging glaube ich immer mit mir durch. Ich hatte keine Zeit, die Farbe von den einzelnen Fingern zu waschen. Und weil sich nicht alle Finger gleich geschickt anstellten, wenn es um das Gestalten von Figuren ging, mischten sich die Farben schnell zu Matschebraun - was mir gar nicht gefiel. So kehrte ich den Fingerfarben den Rücken. Was blieb war die grosse, weisse Papierrolle, die ich weit über den Fussboden zog. Ich legte mich auf eine Seite drauf und machte mich ans Werk. Meist mit Filzstifen. Mit Farbstiften konnte ich mich schon damals nicht anfreunden. Sie kratzen auf dem Papier. Ich mochte weder das Führungsgefühl noch den Ton, den die Stifte erzeugten. Ausserdem liebte ich die Deckkraft von Filzstiften, ihr Leuchten. Aber mein intensivstes Malerlebnis, an das ich mich tatsächlich erinnere, ist jenes mit den Lippenstiften meiner Mutter. Glücklicherweise handelte es sich um Produktproben. Sie passten wunderbar in meine Hände. Sie glitten sanft über das Papier und hinterliessen wundervolle Linien. Das Entsetzen meiner Mutter meiner Mutter als sie mein Kunstwerk und das dazugehörige Material entdeckte, würde ich gerne aus meiner Erinnerung streichen. Aber - es ist geblieben.
(PS: Das Schöne an einer Übung? Es gibt keine Fehler! Es zählt nur das Schreiben an sich)


