Heute ist Schweizer Erzählnacht - leider kann ich diesmal nicht aktiv dabei sein. Ich habe mich aber an eine Geschichte erinnert, die ich vor Jahren für einen ähnlichen Anlass geschrieben habe. Zur Abwechslung mal auf Schweizerdeutsch - nun dachte ich, vielleicht nimmt sie der eine oder die andere als Erzählvorlage... Viel Vergnügen

 

"Das wär aber besser gange", seit dFrau Meisel zu de Katja wo sie ihre Dütschprüefig zruggitt. "Vor allem sDiktat. Hesch de Text ned gläse?" Katja chnuschtet a de Antwort ume. "Mhhm em moll scho." "Aber demfall ned gnueg." DFrau Meisel gat witer. 4-5 isch doch gar ned so schlecht findt sie. Sie luegt aufs Blatt vo ihrem Kolleg Daniel neb sich: 5-6. Sie süfzged bitz. Uf em Heiwäg frögt de Dani sie: "Du warum findsch du Dütsch eigentlich doof?" Katja überleit ned lang: "Eifach." "Eifach isch kei Antwort." De Dani bliebt hartnäckig. "Wil - wil", Katja süfzged wieder. "Lese isch astrengend. Wenns Mami liest chani mir alles vorstelle. Elleige mueni immer zerscht alli Buechstabe zämesueche." "Ja scho, aber ich chas ja au." "Ja du chasch ja au schnell rechne." Dadruf het de Daniel kei Antwort meh. Sie laufed es paar Schritt ohni öpis zsäge. Irgendwänn frögt er sie: "Du chömer hüt bi dir Ufzgi machen?" 

De Katja ihres Mami het nüt degäge, au wenn sie natürli kei Freud am Kommentar vo de Frau Meisel gha het. Sie unterschriebt dPrüefig, luegt Katja ernst a und seit: "Nechst Mal üebe mer eidütig meh jungi Dame." Am halbi zwei lütets wie besproche a de Türe. De Daniel seit zwar "Hallo", aber irgendwie gset er komisch us. Sie gönd go Ufzgi mache. Nachdem sie bim Blitzrechne sogar schneller isch als er, wird sie ungeduldig. "Säg mal lasch mich grad us Fulheit günne? Warum bisch so komisch?" "Ich bin doch letscht Wuche bim Dokter gsi." "Ja weg em Halsweh." "De hät hüt aglüte und gseit, ich mües go dMandle operiere." "Mandle?" De Dani machts Mul wit uf und zeigt mit dem Finger in dunkle Hals. "Die sind irgndwo det hine und sind zgross worde." Katja stellt sich das für ihren Hals vor und muess sich schüttle. De Dani chunt da gar ned mit über, er kämpft nämlich scho mit em nächschte Problem. "Und denn muess ich im Spital schlafe." Katja überleit: "Wo isch das Spital?" "Im Müllihuus." "Ich weiss, wo das isch, det bini scho mal mit dem Bus duregfahre. Ich chum dich go bsueche." De Dani kriegt grossi Auge. "Würkli?" Katja nickt. 

Und sie haltet ihres Verspreche. E Wuche spöter sitzt sie mit ihrem Mami im Bus, aber nur sie weiss, was sie im Rucksack het. De Dani gset ziemli bleich us, wie er so im Spitalbett sitzt. "Hoi du Mathi-Genie." Wo er zruggchrächzed: "Hallo Diktatmeisteri", weiss Katja, dass ihri Überraschig wird funktioniere. Sie luegd ihres Mami a: "Ihr Erwachsene chönnd doch eigentlich go Kaffidrinke." DFrau Schwaller wo scho de ganz Morge bi ihrem Sohn verbracht het, findt spontan: "Gueti Idee. Wenn ihr eus bruched mir sind am Endi vom Gang i de Cafeteria." Wo die zwei Fraue Tür hinder sich zuegmacht hend, frögt de Dani mit sinere Chrächzistimm. "Und was mache mer jetzt?" "Du bisch zerscht mal ruehig." De Dani wott Antwort geh, da gset er, was Katja us em Rucksack zieht: De Sammelband vom Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. "Du hesch gseit, du hegsch de zweiti Band nuni chöne läse, drum hani denkt, ich nimm de hüt mit. Und will du irgendwie ned weisch, was am Vorglese übercho so schön isch, lies ich dir hüt vor." Und sie schlats Buech uf...