Kennen Sie die Geschichte "Der Tunnel" von Friedrich Dürrenmatt? Ein Zug, der in die Dunkelheit hineinrast und für dessen Passagiere der Weg nie mehr ins Leben zurück- sondern direkt in den Tod führt. Ich musste mich als Bezirksschülerin damit befassen. Das Bild begleitet mich im öffentlichen Verkehr auf unangenehme Weise durch die Wintermonate. Doch gestern Abend begegneten mir zwei Frauen im Zug. Die erste setzte sich ins 4er-Abteil rechts von mir. Sie strahlte mich an, wir nickten uns zu. Fünf Minuten später, die gleiche Ausgangslage - nur dass die Frau in einem 4er-Abteil vor mir Platz nahm. Sie holte eine "Unterwegsmahlzeit" aus dem Rucksack. Ich beobachtete sie einen Moment beim speisen, fühlte ihre Ruhe. Die Dunkelheit vor dem Fenster schaffte es nicht in meinen Kopf. Wir drei Frauen verliessen den Zug an unterschiedlichen Stationen, doch jeder meiner Mitreisenden machte ich ein Kompliment für ihr sympathisches Strahlelächeln. Dieser Miteinander-Moment beleuchtete meinen Heimweg.


